Gasbeschaffentheit von Stadtgas und BioStadtgas

May 9th, 2012 von Holger Klos

Autor: Dr. Holger Klos
Datum: 09.05.2012
Ort der Veröffentlichung: Blog auf der Webpage der denvo GmbH, www.denvo.de

Bevor Erdgas über weite Strecken per Pipeline nach Deutschland transportiert wurde, wurde Stadtgas mittels Kohlevergasung erzeugt. Der Fachmann spricht bezüglich der Gasbeschaffenheit beim Stadtgas auch von der Gasfamilie 1. Dieses in der Nähe vom Verbraucher erzeugte Stadtgas wurde dann in einem lokalen Gasnetz an eine Vielzahl von Haushalten und Industriekunden verteilt. Stadtgas besteht im Allgemeinen aus einem Gemisch aus Methan, Kohlendixoid, Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Der Wasserstoffanteil im Stadtgas ist dabei relativ hoch. Genau aus diesem Grund hat Stadtgas auch einen niedrigeren Brennwert {KUCH82} im Vergleich zum Beispiel zu Erdgas aus Russland oder der Nordsee.

Was bedeutet eigentlich ein niedriger Brennwert, beziehungsweise Brennwert überhaupt? Der Brennwert eines Brennstoffes gibt die Wärmemenge an, die bei Verbrennung und anschließender Abkühlung der Verbrennungsgase auf 25°C sowie deren Kondensation freigesetzt wird {WIK2012}. Die Einheit wird in Kilojoule pro Kubikmeter [kJ/m³] oder Kilowattstunden pro Kubikmeter [kWh/m³] angegeben.
Erdgas aus Russland hat heute einen Brennwert {ENVB04} von ca. 11,0 – 11,1 kWh/m³, wohin gegen Wasserstoff einen Brennwert von ca. 3,3 kWh/m³ besitzt. Würde man eine Gasmischung von 10% Wasserstoff und 90% Erdgas (angenommener durchschnittlicher Brennwert ca. 11,1 kWh/m³) herstellen, ergibt sich rechnerisch ein Brennwert von 10,35 kWh/m³. Das schon erwähnte Stadtgas hat einen Brennwert von ca. 4,9 – 6,3 kWh/m³ {KUCH82}.

Industriegebiete und Gewerbegebiete sind meist an Ortstransportnetze oder Verteilnetze angeschlossen, da dort auch ein höherer Gasverbrauch stattfindet. Anstatt solche lokalen Gasversorgungsgebiete weiterhin ausschließlich mit Erdgas zu versorgen, könnten dort auch Gasmischungen aus Erdgas und Brenngase aus regenerativen Energiequellen eingesetzt werden. In historischer Analogie zum ehemaligen Stadtgas könnte man eine solche Gasmischung BioStadtgas© nennen, da sich der Brennwert auch so einstellen lässt, dass der Brennwert des sogenannten BioStadtgas vergleichbar mit dem des ehemaligen Stadtgases ist.

Lesen Sie mehr zum neuen BioStadtgas  unter:

denvoWebNews_BioStadtgas_2012-05-09

 

 

 

 

Geschrieben in Technik | 3 Kommentare »

3 Kommentare

  1. Wasserstoffwirtschaft - Alternative zur bisherigen Energiegewinnung? - Seite 15 Sagt:

    [...] [...]

  2. Ina Sagt:

    Sehr sehr guter Artikel Herr Dr. Klos! Informationen leicht verständlich zusammengepackt

  3. Holger Klos Sagt:

    Guten Tag und vielen Dank für die Rückkopplung.

    Auf Basis meiner Erfahrungen im ehemaligen Mannesmann-Konzern und auf den späteren Erfahrungen in meinen eigenen Unternehmen im Bereich der Brennstoffzellentechnik, der Thermischen Vergasung sowie den Erfahrungen in Planung, Vergabe und Errichtung von Biomethananalgen begründet sich mein Ansatz erneuerbare Energiequellen dezentral zu erzeugen und vor Ort SOWIE überregional zu nutzen zu können. Genau in diese Richtung zielt das Thema BioStadtgas. Um es aber klar zu sagen: das ist ein verdammt langer Weg. Sehr oft sind übrigens auch die “Erfinder” nicht die Profiteure der Erfindung. Da der Konzeptansatz vernünftig ist, arbeiten wir konkret in einem Projekt in Hochfranken an der Umsetzung. Integere und für das jetztige Projekt zielführende Projektpartner sind willkommen.

    Freundliche Grüße, H. Klos.

    P.S.: Übrigens, ich selbst komme aus der technologiebasierten Geschäftsfeldentwicklung/Pilotentwicklung des ehemaligen Mannesmann-Konzerns. Unsere Aufgabe war Geschäftsfelder in der Größenordnung von > 200 Mio. DM für den Konzern zu erschließen. In der Pilotentwicklung war ich zum Schluß in der erweiterten Geschäftsführung tätig und zuständig für den Bereich Clean Energy. Ergo: Große Projektansätze schrecken mich nicht ab!

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